Kafka Rap
 

nach der Parabel vom Türhüter
"Vor dem Gesetz" von Franz Kafka
Vor dem Gesetz da steht ein Mann
der schaut dich an
und dann sagt er zu dir: "Nein.
Du kannst jetzt hier nicht herein."

Er sieht so aus wie Dschingis Khan
und du gehst ganz nah heran

du beugst dich ein wenig vor
und du schaust durch's offene Tor
doch der Wächter hat die Pflicht
dass er zu dir freundlich spricht:

"Es nützt dir nichts hier durchzurennen
du müsstest erst mal die Wächter kennen

die da drinnen noch viel größer
und viel stärker und viel mehr
vor den folgenden Türen stehn

Ich bin ein Freund, komm setz dich hin
doch du bist draußen und ich bin drin.

Du bleibst am besten, wo du bist
bis deine Zeit gekommen ist
warte hier an diesem Tür,
Ich bin bei dir

Du sitzt vor dieser Tür
viele Tage und auch Jahre

und der Wächter neben dir
kriegt schon langsam graue Haare.
Du hast Geld, du kennst die Welt
du versuchst ihn zu bestechen
und er nimmt auch jedes Stück
und du glaubst, du hättest Glück

Doch das Glück ist Illusion
das weißt du schon, das weißt du schon
der Wächter nimmt, was du ihm schenkst
nur deshalb an, damit du denkst
du hast nicht die kleinste Möglichkeit vertan

Ein Leben lang stehst du schon hier
vor des Gesetzes offener Tür.

Um dich herum wird langsam
Dunkelheit und Nacht.
Doch durch das Tor fällt jetzt ein Schein
das muss es sein! Das muss es sein!
Du hast den Weg hierher
doch nicht umsonst gemacht.

Das ist die Zeit, wo du erkennst
deine Kräfte sind begrenzt.Das siehst du ein.
Da fällt dir auf, du bist allein!

"Es wolln doch alle hier herein
wie kann das sein, wie kann das sein?
es wolln doch alle hier herein
und doch bin ich mit dir allein
großer Wächter stell dir vor
ich steh allein an diesem Tor
vor dieser Wand!"

Der Wächter beugt sich zu dir vor
"In dieser Wand ist ein Tor
oder ein Eingang, wie man's nimmt
und der war nur für Dich bestimmt.

Und findest du die ewige Ruh,
dann mach ich diesen Eingang zu
denn der war nur für Dich bestimmt
für dich allein.
Kein anderer Mensch darf hier herein!
"Ich bin Dein Freund, du musst verstehn
ich kann die Welt nicht anders drehn
ich kann die Welt nicht anders sehn

"Ich bin Dein Freund, du musst verstehn
ich kann die Welt nicht anders sehn
ich kann die Welt nicht anders drehn."

Ich bin ein Freund, ihr müsst verstehn
ich kann die Welt nicht anders drehn
ich kann die Welt nicht anders sehn
ich kann nicht anders!


Ratten, Lyrik und das Ding
Straße der Ratten

Diese brüchige Wand
zwischen dir und dem Land
das Flimmern in der Luft
dieser bräunliche Duft
du kannst sie hören und riechen
doch du kannst sie nicht finden
weil ihre schmalen Gesichter
in der Menge verschwinden
auf der Straße der Ratten
mit ihrem schrillen Geschrei
 
Sie stiegen vor dir aus dem Sumpf  
wo die Schlammflüsse münden
sie nennen deinen Namen
und sie kennen deine Sünden
sie zupfen dich am Ärmel
doch du kannst sie nicht fassen
auch wenn du sie fütterst
werden sie dich hassen
auf der Straße der Ratten
wo Kinder verschwinden
mit ihrem schrillen Geschrei
Sie gehen barfuß durch den Staub
in ihren schwarzen Gewändern
keine Macht und kein Geld
kann ihre Richtung noch ändern
du verfolgst nur ihre Spur
denn sie haben dich gefangen
weil deine suchenden Hände
nach ihrer Wärme verlangen
und sie verschwinden wie der Wind  
im Hafen, wo die Möwen sind
mit ihrem schrillen Geschrei
 
Dieser Schrei ist aus Lehm und Staub
er dringt durch die Haut und geht
sicher nicht an uns vorbei
 
Versaut
Versaut und versauert
verlassen und vermauert
verwässert und vermodert
verrottet und verfault
verschoben und verschaukelt
betrogen und vorgegaukelt
verfallen und versunken
vertrunken und versumpft
Das Ding
 
Das Ding liegt fest
in deiner Hand
es ist im innersten
aus Wüstensand
 
Es ist so wie
ein schwarzes Loch
Du schließt die Augen
und du fühlst es doch
 
Das Ding ist dein
und auch die Zeit
die du noch hast
und die Gelegenheit
 
Die Zeit ist kurz
Das Ding zu groß
Du machst dich frei
und lässt es los