Petro, eine digitale Zweitwährung für Venezuela

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Die Krypto-Währung Bitcoin ist ein hochriskantes Spekulationsobjekt geworden; andere Krypto-Währungen sind gefolgt und jetzt hat der Staat Venezuela eine neue Währung Petro kreiert, die ebenfalls als Krypto-Währung bezeichnet wird. Doch der Petro ist etwas anderes; seine wichtigste Funktion ist die einer stabilen Zweitwährung vor dem Hintergrund des außer Kontrolle geratenen Finanzsystems.

Nach offiziellen Meldungen will der Staat Venezuela 100 Millionen digitaler Münzen namens Petro herausgeben, die jeweils durch ein Fass Öl (Barrel) im Werte von etwa 60 US$ abgesichert sind. Das geschieht, um die Finanzkrise (Inflation) zu bekämpfen. Würden die Petros zum vollen Preis verkauft, könnten sie 6 Milliarden Dollars in die Staatskasse bringen, was einigermaßen maßvoll erscheint.

Der Petro, eine Krypto-Währung?


Warum wird der Petro aber eine Krypto-Währung genannt?
Und was bedeutet Krypto-Währung?
Der Ausdruck Krypto ist zu einem Modewort geworden; seine Bedeutung ist im Zusammenhang mit dem Petro in Venezuela aber zweitrangig.
 
Der Petro ist an erster Stelle eine digitale Zweitwährung, hinter der die Garantie des Landes Venezuela steht. Man garantiert konkret eine Liefermenge von einem Fass Rohöl und Venezuela hat bekanntlich Öl in genügender Menge.
 
Keine andere Krypto-Währung hat bisher eine vergleichbare Wert-Garantie.
 
Was ist die Gemeinsamkeit mit dem Bitcoin?
Eine Gemeinsamkeit des Petro mit Krypto-Währungen könnte die digitale Verschlüsselung sein, welche die Währung diebes- und kopiersicher macht. Möglicherweise wird dies durch Elemente der Kryptografie und durch Block-Chain-Technik realisiert. Dies ist jedoch zweitrangig und ein wenig irritierend. Es verleitet dazu, Petro mit dem Bitcoin und anderen Krypto-Währungen gleichzustellen. Aber niemand garantiert, dass jemand für einen Bitcoin eine bestimmte Menge Öl oder eine andere Ware liefert.

Der Petro ist eine offizielle digitale Zweitwährung.
Macht das einen Sinn?
Wenn ja, für wen und wie müssen die Nebenbedingungen aussehen, damit es sinnvoll ist?

Das international Finanzsystem mit der Leitwährung US$ und einigen anderen weltweit anerkannten Währungen, Euro, Yen, Pfund, Schweizer Franken, Rubel, Renminbi... es leidet an einem riesigen Überschuss an Geld.
 
Die Geldmenge ist viel zu groß; sie beträgt ein Vielfaches aller käuflichen materiellen Güter (ohne Börsenpapiere, aber inclusive Immobilien).

Globale Verteilung von Geld und Schulden

Bei der Ausgabe von Geld durch die Zentralbanken und bei der Giralgeldschöpfung entstehen Geld und Schulden gleichzeitig, so dass die Höhe aller Schulden und die allen Geldes in der gleichen Größenordnung ist: einige hundert Billionen
(1 Billion = 1 000 000 000 000).
 
Doch da gibt es ein Problem:
Das Geld befindet sich als Gutschrift bei den Geldbesitzern, organisiert im Finanzsektor. Die Schulden aber sind auf der Seite der Staaten und der verschuldeten Bürger, Firmen und auch Banken.
 
Dies ist ein riesiges Ungleichgewicht.
Es könnte behoben werden, wenn die Staaten es ausbalancieren würden, aber das tun sie nicht, sie verstärken das Ungleichgewicht, indem sie die Interessen der Geldbesitzer vertreten, zu denen sie selber und 99% ihrer Bürger aber nicht gehören.

Wie verstärken die Staaten das Ungleichgewicht der Finanzverteilung?
 
Erstens durch Schuldenaufnahme und die damit verbundene Garantie, dass der Staat seine Schulden samt Zinsen zurückzahlt.
 
Zweitens dadurch, dass der Staat den Finanziers kostenlos hilft, die Schulden bei Privatpersonen einzutreiben. Wenn eine Immobilienblase platzt und viele Hausbesitzer überschuldet sind, garantiert der Staat den Finanziers durch sein Rechtssystem die Zwangsversteigerung.
 
Drittens stellt sich der Staat auf die Seite der Geldgeber durch Bankenrettung, das heißt, wenn Banken viel mehr Schulden als Guthaben ausweisen, bewahrt der Staat sie vor der Pleite und übernimmt diese Banken oder ihre Schulden oder der Staat gibt ihnen einfach Geld, das eigentlich den Bürgern gehört.
 
Ein absurder Vorgang, man würde es nicht glauben, wenn es nicht vor unseren eigenen Augen geschehen wäre.

Durch die unsinnig große Geldmenge und dadurch dass Staats- und Notenbanken immer noch weiter Geld, teilweise zinslos, ausgeben, ist das globale Finanzsystem außer Kontrolle geraten.
 
Es gibt Leute, die das System durchschauen und einige, die mit diesem Verständnis (der Mechanismen und der Psychologie der Akteure) Milliarden per Mausklick verdienen. Inzwischen gibt es aber niemanden mehr, der das Finanzsystem kontrollieren kann. Kein Staat, keine Fed, kein Soros, kein Draghi, kein Black Rock.
 
Trotzdem gibt es einen Weg, sich dem System teilweise zu entziehen und das ist eine Zweitwährung, die nach anderen Gesetzen funktioniert und die derjenige, der sie ausgibt, voll unter seiner eigenen Kontrolle hat.

Beispiel für eine Zweitwährung

Dazu ein Beispiel, das bisher nicht realisiert wurde, Griechenland. Der Staatsbankrott als kreative Lösung:
Griechenland erklärt sich für zahlungsunfähig wie eine große Firma. Alle Kredite in Euro, Dollar oder Schweizer Franken werden annulliert. Staatsanleihen sind wertlos.
 
Die Verlierer sind, wie es sich in der realen Wirtschaft gehört, diejenigen, die dem notorischen Schuldenmacher immer wieder Geld geliehen haben. Egal, wer das ist, sie haben verloren. Den meisten würde es nicht einmal weh tun, weil sie zu denen gehören, die Milliarden besitzen, eine Geldmenge, die keiner je im Leben braucht. Und weil sie dieses überschüssige Geld auf der Welt gut verteilt haben, ist jeder einzelne Verlust eine normale Schwankung in ihrem Portofolio. Niemand besitzt als einzige Geldanlage griechische Staatsanleihen!
 
Griechenland tritt dabei nicht aus dem Euro aus und behält den Euro als erste Währung. Ebenso behalten alle Bürger Griechenlands ihr Bargeld und ihre Guthaben in Euro und müssen auch Schulden in Euro begleichen.

Weil aber nach einer einseitigen Bankrott-Erklärung niemand mehr dem Pleite-Staat Geld leiht, führt Griechenland eine digitale Zweitwährung ein, die Digitale Drachme, die nur auf Konten und auf Geldkarten existiert und folgende Eigenschaft hat:
Sie ist degressiv. Das heißt; sie wird in jeder Woche um 1% weniger. Wir nennen das einen Abschlag von 1%. Dadurch ist die Digitale Drachme nicht zur Kapitalbildung geeignet, sie kurbelt aber automatisch die Wirtschaft an; denn jeder will dieses Geld schnell wieder ausgeben bzw. investieren.

Die Degressive Digitale Zweitwährung wird (unabhängig von der Situation
in Venezuela oder Griechenland)
hier genauer erklärt.

Der Staat begleicht alle seine Verpflichtungen gegenüber den Bürgern ab jetzt mit der Degressiven Digitalen Drachme und steuert die loklae Wirtschaft durch die Menge an Drachmen, die er ausgibt, und durch den wöchentlichen Abschlag, den man herauf und herunter setzen kann, auf 1,1% oder 0,9% pro Woche. So entsteht eine kontrollierte Inflation der Binnenwirtschaft, während der Euro unabhängig davon als stabile Währung weiter existiert.
 
Das wäre das Beispiel einer digitalen Zweitwährung für den Fall Griechenland mit Schulden-Erlass zu Ungunsten des Finanz-Sektors und ohne Belastung des Euro. Diese Lösung der Griechenland-Krise ist leider nur eine Hypothese.

Situation in Venezuela vor dem Petro

Zurück nach Venezuela. Das Land hat schon eine Inflation seiner Währung Bolivar, verursacht durch den Tiefpreis für Öl, der in erster Linie durch Saudi-Arabien und die Emirate kontrolliert wird. Ferner wirken US-Sanktionen, unterstützt auch durch die EU, womit die USA sich in die dortige Politik einmischen wollen.
Weil die Regierung den Finanzmarkt nicht kontrollieren kann und ihre Währung nicht stabilisieren will oder kann, ist es für das an sich reiche Land eine gute Idee, eine Zweitwährung einzuführen.
 
Diese Zweitwährung muss absolut stabil und sicher sein (ganz anders wie die Degressive Digitale Drachme für Griechenland). Der Petro ist, wenn er so bleibt wie angekündigt, eine gute Lösung. Die Menge ist begrenzt auf hundert Millionen und der Wert ist gekoppelt an eine Reale Größe; ein Barrel Rohöl. Wenn der Staat dabei bleibt und die Petro-Menge nicht inflationär erhöht, ist diese digitale Zweitwährung eine solide Sache und zur Geldanlage geeignet.

Das alles hat mit dem bisherigen Begriff einer Krypto-Währung aber nichts zu tun. Sicher ist jedoch, dass alle Freunde und Phantasten auf der Seite des Bitcoin (und seiner Imitate) eine Verwechslung mit dem Petro als Krypto-Währung forcieren wollen, um so eine Aufwertung ihres Spielgelds Bitcoin zu betreiben.

Es gibt aber doch noch einen äußeren Zusammenhang zwischen Bitcoin und Venezuela:
Weil der Bitcoin mit hoher Computerleistung per Zufall generiert wird, so dass der Stromverbrauch ein wesentlicher Kostenfaktor wird, sind sogenannte Bitcoin-Miner mit ihren Computern nach Venezuela gezogen; denn das energiereiche Land hat den Strompreis subventioniert. Dieser Erfahrung mit Bitcoin-Minern hat wahrscheinlich die Regierung in Caracas inspiriert und dazu geführt, dass man den Petro als eine Krypto-Währung bezeichnet hat, obwohl das kryptische am Petro eine Nebensache ist. Die Hauptsache am Petro ist eine Wert-Garantie des Staates, welche der Bitcoin nicht hat.
                            Rob Kenius, 21.02.2018
                            bearbeitet 16.03.2018
							


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Externe Links:
Kryptowährung; Wikipedia
Gegen den Bitcoin-Hype
Wer ist Satoshi Nakamoto?