Ein Chaos, das bis heute anhält

Terror
überall
Terror
Ist das Islam?

Das Erbe von Mohammed


 
Ein Chaos, das bis heute anhält


 
 
 
 
Eine Meldung jagt die andere und immer sind es junge Islamisten, Selbstmord-Attentäter. Sie dringen irgendwo ein, wo viele Menschen versammelt sind, Männer, Frauen, Kinder, die sie gar nicht kennen. Dort richten sie ein Massaker an mit entführten Flugzeugen, Schnellfeuerwaffen, Sprenggürteln und, wo man so leicht keine Waffen bekommt, mit einem gemieteten oder geklauten LKW.
 
Was ist los in den Köpfen dieser Wahnsinnigen? Sie sind psychisch labil und unterprivilegiert, Selbstmörder und religiöse Fanatiker.
 
Und was hat das alles mit dem Islam zu tun? Sind das tiefgläubige Moslems? Liegt es an der Lehre des Koran?

Die Lehre

Die Lehre ist nicht neu und nicht sensationell. Sie ist etwa 1400 Jahre alt und war auch damals, als Mohammed sie in seiner Heimat den ungläubigen Arabern verkündet hat, nichts völlig Neues. Die Lehre des Koran unterscheidet sich kaum von der des Christen- und Judentums:

Gott ist groß, allmächtig, allwissend und allen anderen Göttern und Menschen überlegen; denn er hat sie erschaffen. Gott ist männlich und unbesiegbar, aber er ist auch barmherzig, Gott ist genau so, wie du gerne sein würdest, wenn du ein absoluter Herrscher über die Welt wärest. Das sind die Kern-Thesen des Monotheismus.

Wenn du aber eine Frau bist, dann sieht die Sache nicht so günstig aus. Du hast mit diesen drei Religionen vom Rande der Wüste weniger Glück gehabt, egal ob dein Mann nun Jude, Christ oder Moslem ist. Such dir eine andere Religion oder einen weniger gläubigen Mann...
 
Am Monotheismus ist nichts Neues und nichts Exklusives, überhaupt nichts, was im 21. Jahrhundert noch Wikipedia-User überraschen oder mitreißen könnte. Die Lehre des Koran kann es nicht sein, was die Islamisten, Dschihadisten, Taliban, Terroristen und den IS bewegt.

Der Prophet

Wenn die Lehre nicht so prickelnd ist, ist es vielleicht die Person des Propheten? Aha! Mohammed ist einer der erfolgreichsten Männer, Führer, Supermänner und Egomanen aller Zeiten. Erst Prophet, dann Flüchtling, Heerführer, Eroberer, Gründer einer Nation, Frauenheld und Haremsbesitzer. Die Figur des Propheten Mohammed kann heute noch Männer in den Größenwahn treiben und in den Kampf reißen und wer ihn kritisiert oder gar lächerlich macht, ist schnell erledigt.

Mohammed ist kein Jesus der Beduinen. Im Gegenteil, zwei unterschiedlichere Religionsstifter kann man sich kaum vorstellen. Während Jesus die Gewaltlosigkeit predigte und auch praktizierte und sich nicht einmal dem Zugriff der Sicherheitskräfte entzog, ging Mohammed, als er von den Herrschenden seines Stammes verfolgt wurde, den umgekehrten Weg:
 
Mohammed ließ sich nicht in die Gewalt seiner Gegner bringen. Wusste er doch, wie es Jesus von Nazareth ergangen ist. Mohammed folgte nicht dem Leidensweg, sondern er wurde erst Flüchtling, dann Kämpfer, dann Heerführer und schließlich Eroberer, fast einer wie Alexander der Große.

Wie er das geschafft hat, ist ziemlich genau überliefert. Die Taliban, Dschihadisten und die Kämpfer des Islamischen Staates verstehen es am besten, wie das Erstaunliche Wirklichkeit wurde, und sie machen es ihm nach.
 
Es gibt mehr als 1.000.000.000 friedliche Moslems auf dieser Welt und viele von ihnen übersehen, dass es der gleiche Mohammed ist, den auch sie verehren und der, den sich die islamistischen Krieger überall zum Vorbild nehmen.
 

Der heilige Krieg

Das Geheimnis des kriegerischen Erfolges von Mohammed ist im Grunde einfach: Die Kämpfer des Islam haben keine Todesangst. Sie glauben, was der Prophet verkündet hat: Wer im heiligen Krieg stirbt, kommt sofort ins Paradies. Und was Krieg ist, welcher Krieg ein heiliger Krieg ist, das bestimmen die Krieger am besten selbst. Und danach gibt es das Paradies für alle toten Dschihadisten, sogar für Selbstmörder, obwohl im Islam, genau wie im Christentum, Selbstmord streng verboten ist.

Wer nicht besonders gut schießen kann, wer kein geschickter Boden-Kämpfer ist, oder einfach die Sprache der Truppe nicht versteht, der setzt sich in ein Auto voll Dynamit oder bindet sich einen Sprenggürtel um den Bauch und begibt sich auf direktem Weg dahin, wo Feinde sind, möglichst nah ran und dann sprengt er oder sie sich mit einem Handgriff in die Luft. Das kann jeder. Ziemlich einfach ist das. Und es bringt, wie es Mohammed seinen Dschihadisten versprochen hat, statt der sofortigen Einweisung in eine Psychiatrie, den Märtyrer-Tod und ewige Seligkeit im Paradies.
 
Und was tun, wenn es irgendwo gar keine Feinde, nicht einmal bewaffnete Soldaten gibt?
 
In der nächsten Stufe des Wahnsinns können es auch andersgläubige Zivilisten, Flugzeug-Passagiere, U-Bahn-Insassen, Café-Besucher oder gar spielende Kinder mit ihren Müttern in einem Park sein. Es genügt, wenn sie von irgendwem als Feinde erkannt werden. Nach dem Motto: Wer mein Feind ist, bestimme nur ich.
 
Eine Frage bleibt bei dieser absurd einfachen Logik ungeklärt:

Wieso glauben zehntausende junge Männer und auch einige junge Frauen auf der ganzen Welt diesem Versprechen: Wenn du in unserem Kampf stirbst, egal wie und gegen wen, bist du ein Märtyrer oder eine Märtyrerin und wirst nach dem Tod auf ewige Zeiten glücklich sein im Paradies, das Mohammed dir versprochen hat. Wieso glauben die das, obwohl einige von ihnen intelligent, gebildet und klar im Kopf waren, ehe der Fanatismus sie verrückt machte? Und wieso fällt ihnen nicht auf, dass überall am meisten Moslems gegen Moslems kämpfen und oft auf beiden Seiten die gleiche Märtyrer-Ideologie benutzt wird?

Das Bequeme an einem Irrtum ist, dass man weder denken noch lernen muss,
um in dem gleichen Irrtum zu bleiben.
Den richtigen Weg dagegen
muss man ständig suchen.

Dass der feste Glaube an so eine absurde Form der Erlösung existiert, daran gibt es keinen Zweifel; das wird ständig bewiesen. Und neben psychischer Labilität der Täter und ihrer oft miesen Situation ist beim islamistischen Terror immer die Religion im Spiel.

Was unterscheidet also den Islam von anderen Religionen?

Zwei Seiten des Islam

Der Islam, egal welcher Richtung und Abstufung, hat zwei Seiten: Da ist einmal die Lehre des Koran, die dem Christentum und dem Judenum sehr ähnlich ist, und zweitens der Prophet.
 
Mohammed war eine historische Person und die Welt weiß sehr viel über ihn, woran nicht gezweifelt werden kann. Ganz im Gegensatz zu Jesus Christus. Jesus war keine historische Person. Wenn einer behauptet, er hätte nie gelebt, kann das weder bewiesen noch widerlegt werden. Jesus bleibt immer von Legenden umgeben, die Texte des Christentums sind bis zu 200 Jahre nach seinem Tod aufgezeichnet worden, in verschiedenen Sprachen.
 
Von Mohammed ist sein eigenes Diktat, der Koran, überliefert und nicht nur das, weil er 23 Jahre lang gewirkt hat und als berühmter Religions- und Heerführer in einem für die damalige Zeit normalen Alter (eines natürlichen Todes?) starb, ist fast alles über ihn bekannt. Viele seiner Sprüche und Texte sind wörtlich überliefert, wie er sie diktiert hat.
 
Gegen die Lehre des Islam ist zunächst nichts einzuwenden, sie ist weder besser noch schlechter als das Judentum und das Christentum.

Mohammed hat aber strikt behauptet, was er diktiert hat, sei das Wort Gottes. (Erst später haben katholische Päpste das auch von der Bibel behauptet.) Bei dieser Behauptung fängt das Problem mit der Person des Propheten und der hundertprozentigen Gültigkeit des Koran an. Der Koran ist in der real existierenden Welt das Wort Mohammeds, denn Gott ist, wenn es ihn gibt, ein Geist, er spricht nicht, er schreibt nicht und er diktiert auch nicht.
 
Mohammed aber hat behauptet, dass seine Suren das Wort Gottes sind; er glaubte es wahrscheinlich auch selber, weil die Texte prophetisch, auf eigentümliche Art aus seinem Mund kamen und anfangs eine seltsam poetische Struktur besaßen. Das ist beachtlich, aber es ist nichts Einmaliges und es beweist auch nicht, dass jemand anders dahinter steckt als der Geist des Sprechers oder der Sprecherin.

Etwas Ähnliches hat Moses behauptet, als er vom Berg Sinai mit den Schrifttafeln herab stieg. Der entscheidende Unterschied zu Mohammed ist: Es handelte sich bei Moses um 10 Gebote, an denen nicht viele vernünftige Menschen grundsätzlich zweifeln (außer an den drei ersten) aber der Rest ist in kaum einer Gesellschaft umstritten. Mohammed dagegen hat ein ganzes Buch als das Wort Gottes proklamiert und dessen Entstehung zog sich über mehr als 20 Jahre hin. Und darin liegt das Problem.
 
Der Islam sagt nämlich bis heute, daran ist nicht zu rütteln.
 
Propheten wie Jesus, Mohammed und auch Buddha sind Menschen, die ihrer Zeit an Intelligenz und geistiger Kraft weit voraus sind und andere Menschen in ihrer Umgebung überragen. Sie sehen Dinge, die andere nicht sehen, sie sind in der Lage, in sehr großen Zusammenhängen zu denken, räumlich, zeitlich und logisch. Das wird bei Mohammed besonders deutlich, schon allein deshalb, weil wir über ihn viel mehr tatsächlich wissen als über Jesus und Buddha.

Die Flucht

Mohammed konnte nicht nur prophetische Sprüche verkünden, er konnte nicht nur Menschen durch seine Rede fesseln und Jünger um sich scharen, er konnte auch Entscheidungen fällen, die für seine Anhänger in dem Augenblick die richtigen waren und zum Erfolg führten.
 
Mohammed wurde ein erfolgreicher politischer Führer, ein Heerführer und schließlich ein Eroberer. Das ist genau das, wovon Islamisten heute träumen, aber keiner von ihnen hat dieses Format und die Zeit solcher Führer ist lange vorbei.

Weiterhin aber, auch als Politiker und Heerführer, diktierte Mohammed seine Inspirationen in Form der Suren und sie wurden und werden als das Wort Gottes angesehen, obwohl es oft taktische Entscheidungen waren, die wie alle Entscheidungen aller Politiker der Welt und zu allen Zeiten situationsbedingt, pragmatisch, widersprüchlich, manchmal grausam und im Nachhinein betrachtet, auch falsch sein konnten und widerrufen wurden.
 
Die islamische Zeitrechnung beginnt mit der Flucht nach Medina, nicht mit dem Auftreten Mohammeds als Prophet. Das ist eine sehr realistische Festsetzung; sie markiert die erste große Entscheidung Mohammeds, die seinen Weg von dem Weg, den Jesus eingeschlagen hat, unterscheidet.

Mohammed selbst sah Jesus als seinen Vorläufer und sich als Nachfolger von Abraham, Moses und Jesus. Er hoffte, in die Reihe dieser Propheten eingeordnet zu werden und wollte der Lehre der Bibel nicht widersprechen. Weil er selber nicht lesen konnte, kannte er die Bibel aber nur vom Hörensagen; die Abweichungen zwischen Bibel und Koran beruhen im Wesentlichen auf dieser Tatsache.
 
Mohammed wollte nicht gefangen und getötet werden wie Jesus, sondern er entschied sich für die Flucht nach Medina, agierte dort weiter, vergrößerte seine Macht, lernte zu kämpfen und zu führen und kehrte zurück als Eroberer. Das muss ihm erst einmal einer nachmachen.

Die Sache aber hat einen Haken:
 
Wie passt das alles mit der Religion zusammen? Wie kann ein erfolgreicher Eroberer, der Karawanen überfallen und Kriegsbeute verteilt hat, darunter auch Frauen, gleichzeitig ein religiöser Lehrer sein in Moralfragen, in Fragen der Ehe, des Eigentums, der Familie und des friedlichen Zusammenlebens?
 
Wir können diese Frage nicht ausdiskutieren; das ist die Aufgabe der Moslems unter sich. Der Islam braucht, ehe er immer wieder zu den Waffen greift, eine Diskussion über die Frage:
 
Was genau ist Religion und Moral und wie trennen wir den historischen Eroberer Mohammed von unserem friedlichen Glauben in der heutigen Zeit? Die Christen haben es da einfacher. Jesus ist keine historische Person, die Gläubigen können ihn, wenn sie wollen, als einen Heiligen ansehen. Mohammed ist kein Heiliger.

Frauen und Krieg

Neben seinen manchmal brutalen Entscheidungen im Krieg und bei Beutezügen hatte der historische Mohammed ein unsymmetrisches Verhalten gegenüber Frauen. Erst war er zurückhaltend und, wahrscheinlich wegen seiner Herkunft, auch chancenlos gegenüber den Frauen seiner Umgebung, dann wurde er von einer wohlhabenden, fünfzehn Jahre älteren Witwe entdeckt, die ihn, wahrscheinlich wegen seiner Intelligenz und Ausstrahlung, heiratete und lange Zeit förderte. Dann verlobte er sich mit der achtjährigen Tochter eines Onkels und schließlich praktizierte er in der Zeit seiner großen Eroberungen arabische Vielweiberei mit insgesamt mehr als zwanzig Frauen.
 
Das ist auch für die damalige Zeit nicht völlig normal, erst recht nicht für einen religiösen, also moralischen Führer. Aus heutiger Sicht war der historische Mohammed mehr als nötig fixiert auf sein eigenes, männliches Geschlecht. Auch auf diesem Gebiet ist der nicht-historische Jesus als Kultfigur viel geschmeidiger. Ob er mit der Prostituierten Maria Magdalena in seinem Gefolge ein Verhältnis hatte, ist weder zu beweisen noch zu widerlegen.

Wieder muss klargestellt werden: Moslemische Frauen und Männer des 21. Jahrhunderts sollten sich über diese Dinge eine aktuelle Meinung bilden und sie müssten sich auf einigen Gebieten von den Gepflogenheiten und Ideen ihres Religionsstifters aus der maskulinen Welt der Beduinen verabschieden, denn die Welt wird heute von Gesellschaften dominiert, die zur Gleichberechtigung tendieren.
 
Eins der erfolgreichsten Länder der Erde ist jetzt Norwegen, das Land mit der höchsten Stufe an Gleichberechtigung. Auch Deutschland liegt in der Spitzengruppe und fühlt sich nicht schlecht dabei.
 
Dass die Männer das nicht von selber einsehen, liegt auf der Hand, jedenfalls war es in Europa so: Frauen haben ihre Rechte erkämpft und erst später kam die Einsicht bei den Männern. Erst im Jahre 1971 haben die Männer in der Schweiz per Volksabstimmung (der Männer), den Frauen das Stimmrecht gegeben.
 
Es gibt heute eine globale Konkurrenz von Gesellschaften. Solche Kulturen, die die Kraft ihrer Frauen nicht voll für die Gesellschaft einsetzen, sondern nur zur Stütze der Männer und zu ihrer leiblichen Befriedigung, so wie es übrigens auch in der Bibel vorgesehen ist, solche Gesellschaften sind zu schwach und in der globalen Welt nicht mehr konkurrenzfähig.
 
Es sei denn, es ist Krieg.

Mohammed hat fast zwanzig Jahre lang Krieg geführt und den Frieden nicht mehr erlebt. Mit Sicherheit wäre ihm noch eine Sure oder auch mehrere zum Thema Frieden eingefallen. Er starb plötzlich und überraschend. Nicht einmal seine Nachfolgerschaft konnte er regeln, er konnte auch nicht mehr die Suren des Koran ordnen und in eine vernünftige Reihenfolge bringen.
 
So ist die Welt. Das bis dahin unbedeutende Volk der Araber und Beduinen hat einen der drei großen Propheten hervorgebracht, der obendrein auch ein Politiker, Heerführer und Eroberer war, er lebte lange, doppelt so lange wie Jesus, und doch hat er seinen Gläubigen und Nachfolgern ein verwirrendes Chaos hinterlassen, ein Chaos, das bis heute anhält.

Der Islamische Staat

Die heiligen Krieger des Islam heute, das sind die Dschihadisten, Taliban und der Islamischer Staat, sie sehen die Geschichte des Islam anders: Vom Ende her. Der Prophet ist tot, der Kampf geht weiter.
 
Das inspiriert sie. Aus der Lehre und der Überlieferung picken sie die Dinge heraus, die für sie gut sind im ständigen Kampf:
Heiliger Krieg, keine Todesangst, einfache, grausame Gesetze, Beute machen, Frauen nehmen, Feinde hassen, Juden hassen, Christen hassen, kämpfen und gewinnen.
 
Das Absurdeste daran ist: Meistens kämpfen sie gegen andere Moslems und am härtesten gegen solche, die es genau wie sie nach dem Vorbild und mit der Taktik des Propheten tun.

Das alles erklärt aber nicht, warum jetzt, gerade jetzt zu Beginn des 21. Jahrhunderts der militante Islam und an erster Stelle der Islamische Staat so viel Zulauf haben. Aus zwanzig arabischen Ländern, aus Pakistan, Indonesien, Tschetschenien, aus Mali, Tschad, Nigeria, Ghana, Türkei, Frankreich, Belgien, Afghanistan, Deutschland, Georgien, Russland... Ein Ende ist nicht abzusehen.

Der Islamische Staat verkündet in seiner Propaganda, dass der Rest der Welt am Ende ist, dass der Islamische Staat sich in einem Endkampf befindet. Gut gegen Böse. Gott gegen Teufel. Islamischer Staat gegen den Rest der Welt. Wer auf der Seite Gottes sein will, muss sich auf der richtigen Seite dem Kampf anschließen. Wer im Kampf fällt, landet im Paradies noch von den anderen. Das ist Erlösung von allen Repressionen und minderwertigen Gefühlen, eine Vision, die zündet. Sie zündet Menschenherzen, Granaten, Sprenggürtel und Bomben.

Das System

Da ist aber auch ein Punkt, an dem die Parolen des Islamischen Staates nicht völlig zu widerlegen sind. Das System, das diese Welt beherrscht, ist wirklich in vielen Bereichen am Ende.
 
Und zwar gleich auf mehreren Gebieten. Wie viel und was davon dann in fünf, zwanzig oder fünfzig Jahren noch zurück bleibt, ist nicht zu erkennen. Die Zukunft ist ein Loch.

Vor hundert Jahren bestand eine ähnliche Situation, dann kam der Erste Weltkrieg und bis zum Ende der damaligen Systeme waren es noch nicht einmal fünf Jahre. Aber zum Glück gilt der Satz: Geschichte wiederholt sich nicht. Trotzdem, die Kriegsgefahr steigt auch jetzt.
 
Dieses Ende eines Systems oder einer Zeit ist nicht wie eine Wand, eine Straßen-Sperre oder eine kosmische Katastrophe, sondern es scheint bisher ein langsamer Abstieg zu sein, ein sanftes Ende an mehreren Punkten, ein Auslaufmodell, das schon seit bald 50 Jahren immer wieder repariert, neu angeschoben und vorwärts gepeitscht wird.
 
Dieses System der sogenannten Westlichen Welt ist mehrfach an seine Grenzen gestoßen:

Grenzen des Wachstums.
Überflutung des Finanz-Systems.
Verfall der parlamentarischen Demokratie.
Und, nicht unabhängig von den genannten Trends:
Abstieg der Europäischen Union.

 
Wir scheinen am Ende einer Epoche zu stehen, doch Halt! Das Ende einer Epoche ist eindeutig erst im Nachhinein feststellbar. Nachher ist man&frau bekanntlich immer klüger.

Angst

Wir haben Angst. Nicht nur Angst vor islamischen Terroristen, das ist die Oberfläche, darunter liegt eine diffuse Angst vor der Zukunft.
 
Wir sollten nur eine Angst haben, nämlich die, dass uns nichts Neues mehr einfällt, wie wir unser Verhalten und unsere Methoden verändern können, um die Zukunft in den Griff zu kriegen.
 
Wir sollten Angst haben, dass wir in der geistigen Entwicklung stecken bleiben und Jahrhunderte lang wie die islamische Welt nach hoher Blüte keine neuen Strukturen mehr aufbauen.
 
Die Angst vor der Zukunft, die ich habe, ist die, dass wir nichts an unserem System verändern, bis die technische Entwicklung unser parlamentarisches System total überrollt und außer Kraft setzt. Das ist die Angst vor der Trägheit. Diese Angst ist berechtigt; es gibt immense Kräfte, die daran arbeiten, dass alles so bleibt wie es ist. Sie tun das, weil sie vom jetzigen Zustand profitieren und unter dem Schutz gewaltiger Privilegien agieren:
 
Macht,
Reichtum,
Einkommen,
Sicherheit und
Bequemlichkeit.

Gerade, weil sie glauben, dass ihnen jede Veränderung Nachteile bringen würde, bestätigen sie die These, dass ihre Privilegien nicht auf speziellem Know How oder einer besonderer Leistung beruhen, sondern auf Geschlecht, Herkunft, Erbe, Nationalität, Zufall, dass diese Privilegien also ungerechtfertigt sind.
 
Der Terror zeigt uns, dass es so nicht weiter gehen kann. Terror ist aber keine Lösung, sondern immer nur ein Signal.

Ein Signal wofür?
 
Wir sollten uns nicht von Islamisten und anderen Terroristen in die Vergangenheit treiben lassen, in der sie selber noch stecken.
 
Wir sollten uns nicht in tausend Richtungskämpfe verwickeln, wo es um Unterschiede geht, die nur für Fanatiker erkennbar sind.
 
Und wir sollten hier in Europa etwas Neues für die Zukunft schaffen, eine neue Form der Organisation unserer Staaten,
 
ohne Gewalt,
ohne Religion,
ohne Ideologie,
ohne Diktatur,
ohne Diktat der Ökonomie, der Technik und
des Geldes.
 
Von all dem haben wir mehr als genug.
  Rob Kenius, Jan/Feb 2016
  letzte Aktualisierung 19.02.2017

 
 
 
 
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Über die Motive der IS-Kämpfer, die Art der Mitläufer und den Umgang mit dem Terror in Deutschland und Frankreich:
Artikel von Nicolas Hénin auf Zeit.de
Nicolas Hénin war 10 Monate in der Gewalt des IS und ist wohl der kompetenteste Journalist auf diesem Gebiet.
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