Am Rad des Geldes drehen





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Die Macht der grauen Männer
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Räuber und Gendarm
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Der Staat und
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Mario Draghi

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Steueroase Delaware
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Umverteilung von Staaten begünstigt
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Geld ist eine der genialsten Erfindungen des Menschen. Ähnlich wie das Rad ist es universell verwendbar und niemand weiß, wo es ursprünglich herkommt. Mit dem Rad hat das Geld außerdem gemeinsam, dass es durch drei markante Eigenschaften ausgezeichnet ist.

    Diese drei Eigenschaften sind für das Rad folgende:
  • Das Rad ist rund,
  • es sitzt auf einer Achse und
  • es ist beweglich, genauer gesagt,
    es kann sich auf der Achse drehen.

  • Die drei charakteristischen Eigenschaften des Geldes sind etwas abstrakter:
  • Geld ist eine Zahl,
  • es hat eine Einheit, je nach Währung Taler, Dollar, Euro, Pfund oder Franken und
  • es bewegt sich, wandert von Hand zu Hand
    oder von Konto zu Konto.

Zur Beweglichkeit des Rades gehört die Achse, die seine Bewegung stabilisiert, zur Beweglichkeit des Geldes gehört, dass der Wert der Geldeinheit, wenn es weiter gereicht wird, von beiden Seiten akzeptiert wird und zwar genau in gleicher Höhe. Der eine gibt den Euro, Dollar oder Taler der andere nimmt das Geld an, ohne über den Wert zu diskutieren. Diese Eigenschaft nennen wir Akzeptanz, sie gehört definitiv zur Beweglichkeit des Geldes wie die Achse zum Rad. An einen, der den Wert nicht akzeptiert, wird kein Geld weiter gereicht.
 
Sowohl das Rad als auch das Geld hatten jeweils eine Vorstufe.
 
Die Vorstufe des Rades sind ein paar Rollen, die wir unter eine Kiste oder einen Baumstamm legen, so dass der schwere Gegenstand geschoben werden kann. Hier fehlt noch die Achse, erst die macht das Rad zu einer genialen Erfindung. Auf dem amerikanischen Kontinent hatte noch niemand das Rad erfunden, ehe Europäer dort auftauchten. Es gab zwar mehrere Hochkulturen, aber nirgendwo gab es Räder und deshalb auch keine Wagen, keine Mühlen und keine Windräder. Das zeigt uns, dass die Erfindung des Rades nicht selbstverständlich ist.
 
Das Geld mit seinen drei Eigenschaften Zahl, Einheit und Akzeptanz hatte ebenfalls eine Vorstufe: Goldstücke oder Perlen als Zahlungseinheit, aber auch symbolische Werte, die als Zahlungsmittel akzeptiert wurden, Muscheln oder Keramik. In dieser Vorstufe des Geldes ist die Zahl immer eine Eins und der Wert wird durch die tatsächliche Anzahl bestimmt.
 
Bei vollwertigem Geld gehören Zahl und Zahlungsmittel unmittelbar zusammen. Zum Beispiel eine Münze, auf der die Zahl 5 oder 10 eingeprägt ist. Wenn Münzen oder Scheine die drei Eigenschaften, einschließlich der Akzeptanz besitzen, erfüllen sie die Funktion des Geldes.

Was du mit Geld alles machen kannst

Hier taucht ein neuer Begriff auf: Die Funktion. Das Geld hat eine bestimmte Funktion, das bedeutet, es wird in einem genau definierten Zusammenhang benutzt und erfüllt einen bestimmten Zweck. Und, um es gleich zu sagen, Geld hat nicht nur eine Funktion, sondern mehrere.
 
Geld hat zunächst die Funktion als Zahlungsmittel. Ich gehe auf den Markt und kaufe für Geld einen Hut oder einen Ring. Geld und Hut oder Ring wechseln den Besitzer. Dies ist so ähnlich wie ein Tausch, aber mit einem Unterschied:
Wer einen Hut eintauscht und nachher eine Vase haben möchte, bekommt Schwierigkeiten, wenn die Besitzerin der Vase diesen Hut nicht haben will.
 
Mit Geld funktioniert das besser, weil alle es akzeptieren und ein Kauf kommt zustande, wo der Tausch nicht zustande kommt. Daraus resultiert die Überlegenheit der Geldwirtschaft gegenüber einer Tauschwirtschaft.
 
Dabei könnte der Eindruck entstehen, dass Geld mehr wert ist als alles andere, weil auf dem Markt alles gegen Geld eingetauscht wird. Dieser Eindruck ist falsch.
Beim Kauf eines Ringes hält der Verkäufer das Geld für wertvoller, für den Käufer ist es aber umgekehrt, er findet den Ring besser. Geld ist nicht deshalb wertvoller, weil es von allen akzeptiert wird, es hat nur diese Funktion und repräsentiert damit einen durchschnittlichen Wert aus allen Waren, die auf dem Markt gehandelt werden.
 
Viele Dinge sind eindeutig mehr wert als Geld: Die Luft zum Atmen, das Wasser als Quell des Lebens und die meisten Nahrungsmittel. Es gibt auch Dinge im Leben, die für Geld überhaupt nicht zu haben sind, an erster Stelle das Leben selbst. Die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel oder universelles Tauschmittel hat seine Grenzen und ist kein Zeichen für einen höheren Wert.
 
Die zweite Funktion des Geldes ist das Bilden von Wert-Reserven. Das geschieht, indem ich Geld nicht weiter reiche, sondern einspare und bereit halte. Diese Funktion hat zur Voraussetzung, dass der Wert einer Geldeinheit wie Dollar oder Euro über die Zeit konstant bleibt. Was heute ein Taler ist, soll morgen auch ein Taler sein und der Hut, den ich heute für drei Taler bekomme, soll morgen auch drei Taler kosten.
 
Das ist ein zusätzliches Postulat, ein Postulat im Interesse der Geldbesitzer und es ist nie zu 100% erfüllt. Der Wert kann fallen oder auch steigen. Meistens fällt er.
 
Die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel ist untrennbar mit den drei Grundeigenschaften verbunden, insbesondere der Beweglichkeit/Akzeptanz. Wenn es sich nicht bewegt, ist es kein Geld, sondern ein Schatz. Genau so ist ein Rad, das sich nicht dreht, kein Rad, sondern ein Knopf oder eine runde Scheibe, ein rundes Bau-Element. Wegen dieser Ähnlichkeiten sagen viele: Geld muss sich drehen. Der Rubel muss rollen.
 
Alle anderen Eigenschaften des Geldes sind nicht zwingend, sie sind durch Regeln, Konventionen und Gesetze veränderbar. Auch die Eigenschaft der Wertstabilität ist nicht unbedingt erforderlich. Inflationsgeld ist zwar nicht stabil, ist damit als Geldanlage ungeeignet, aber es ist echtes Geld. Es hat eine Zahl, eine Einheit und es wandert, wenn sein Wert akzeptiert wird, von einem zum anderen.

Die wunderbare Geldvermehrung

Hohe Geldstabilität ist also kein Vorteil für alle, nicht einmal für die Wirtschaft, insbesondere nicht für Volkswirtschaften. Staaten und Regierungen arbeiten gerne mit einer gewissen Inflationsrate, die einen mehr, die anderen weniger. Wird ihnen die Inflation unmöglich gemacht durch den Beitritt zur Euro-Zone, dann geraten sie in Schwierigkeiten.
 
Geldstabilität liegt im Interesse der Geldverleiher, weil sie den gleichen Wert zurück haben wollen, den sie ausgeliehen hatten. Und sie hätten gerne noch etwas mehr. Sie verlangen Zinsen. Ja, irgendwann kam jemand auf die Idee, Geld auszuleihen und dafür Zinsen zu verlangen.

    Geldverleih gegen Zinsen ist nicht selbstverständlich und bedarf zahlreicher Voraussetzungen:
  • Ein Partner A hat mehr Geld zur Verfügung, als er benötigt.
  • Ein anderer Partner B braucht Geld, um ein bestimmtes Vorhaben durchzuführen. Er will vielleicht ein Haus bauen.
  • Der Wert des Geldes ist einigermaßen stabil.
  • Der Partner B hat Aussichten, in Zukunft mehr Geld zu bekommen, um den Kredit zurück zu zahlen.
  • Der Partner A verlangt Zinsen,
    das heißt, dass er mehr Geld zurück haben will, als er eingesetzt hat.

Keiner dieser Punkte muss zwingend so sein, insbesondere nicht die Zins-Forderung, im Gegenteil, das Verlangen, einen Zins zu bekommen, wirft automatisch ein Problem auf:
 
Woher soll das zusätzliche Geld kommen? Wenn es im System der beiden Partner 1000 Taler gibt, von denen A 900 hat und B 100 und wenn A dem B 100 Taler leiht, aber 105 zurück haben will, dann fragen wir ganz naiv:
Woher sollen die 5 Taler kommen, wenn es nur 1000 Taler gibt?
 
Schon diese einfache Überlegung zeigt, dass die Forderung von Zinsen bedeutet, dass die Geldmenge im System steigen muss, sonst wäre die Forderung nicht erfüllbar.
 
Das Ergebnis dieser einfachen Logik ist überwältigend:

Das Geld-Mobil hat keinen Rückwärtsgang

Seit der ersten Gründung einer Bank in Italien haben wir mehr als 500 Jahre Finanzwirtschaft, in denen die Erhebung von Zinsen zur Geschäftsgrundlage gemacht wurde. Das Geld musste also immer mehr werden. Und inzwischen ist die globale Geldmenge so angewachsen, dass allein die schiere Menge des vorhandenen Geldes zu einem Problem geworden ist, das niemand mehr im Griff hat.
 
Auch die Geldbesitzer, Geld-Ansammler, Geldanleger und Geldakrobaten, die Spekulanten, Jongleure und Hedgefond-Manager haben das Problem der Geldmenge nicht im Griff. Sie können damit umgehen, mit größerem Geschick als die meisten anderen und sie können davon profitieren. Beseitigen können sie den Geldüberfluss aber nicht. Niemand wirft Geld auf den Müll, obwohl das absolut nötig wäre. Aber keiner tut das freiwillig. Je mehr Anteil einer am Geldüberfluss hat, desto weniger ist er daran interessiert, dass dieser Überfluss reduziert wird. Alle drehen am Rad des Geldes in die gleiche Richtung.
 
Die Aktien-Blasen sind eine direkte Folge dieses Geldüberflusses. Erst setzen instinktsichere oder hochintelligente Börsen-Spekulanten auf bestimmte Werte. Die Werte steigen durch die Käufe ein wenig. Dann folgen die Experten und Fonds-Manager, die jeden Trend früh zu erkennen glauben. Die Werte steigen schneller. Am Ende folgen alle, die nur auf sichere Kursbeobachtung setzen oder automatisch den Trends folgen. Das können auch Computerprogramme sein, welche die Börsenstatistik auswerten.
 
Weil zu viel Geld da ist, wird an der Börse zu viel und zu teuer eingekauft. So entstehen die Blasen. Die Aktien oder sonstigen Papiere sind überbewertet. Die Blase platzt, wenn die ersten Spekulanten ihre Käufe wieder abstoßen und den enormen Gewinn noch im Boom der Trittbrettfahrer mitnehmen. Beim Platzen der Blase wird ein Teil des überschüssigen Kapitals vernichtet. Das ist gut und dringend notwendig, aber unkotrolliert und manchmal ist es katastrophal.

Öl und Geld aus zweifelhaften Quellen

Unser Verständnis, wie Geld funktioniert, wurde durch den Vergleich mit dem Rad etwas klarer. Das Rad ist leichter zu verstehen, weil es nicht ein Konstrukt aus abstrakten Eigenschaften (Zahl, Einheit, Beweglichkeit/Akzeptanz) ist, sondern eine Sache, deren Teile unmittelbar zu durchschauen sind. Und der Vergleich geht noch weiter:
 
Ein Rad funktioniert auch ohne Schmierstoff, aber wenn wir ein wenig Öl an die Achse tun, läuft es besser. Es wird etwas von außen in dieses System Rad/Achse hinzu getan. Woher wir das Öl bekommen, ist gleich ein weiteres Problem.
 
Was beim beim Rad das Öl ist, ist beim Geld der Zins. Wir müssen auch den Wert, den die Zinsen ausmachen, irgendwo her bekommen.
 
Aus dieser Problemstellung folgt schon wieder: Wenn wir Zinsen oder eine sogenannte Rendite verlangen, dann müssen wir wie beim Öl für das Rad etwas Wertvolles aus anderer Quelle hinzu fügen. Nur dann haben wir genug, um die Zinsen zu bezahlen.
 
Wir brauchen Öl für das System. Dieses zusätzliche Material müssen wir uns beschaffen. Firmen nehmen Kredite auf und müssen sie zurückzahlen plus Zinsen und darüber hinaus wollen sie noch eine Rendite erwirtschaften. Dazu müssen sie die Natur oder den Planeten oder sich selbst und andere Menschen (Arbeitskräfte) ausnutzen oder ausbeuten (je nach Standpunkt), um die Zins- und Rendite-Forderung im Geldsystem zu erfüllen.

    Die am Zins und an der Rendite des Geldes orientierte Finanzwirtschaft hat unvermeidliche (unverzichtbare) Folgen:
  • Die ständige Vermehrung der Geldmenge,
  • Ausbeutung aller Bodenschätze,
  • Ausbeutung der Umwelt,
  • Ausbeutung der Arbeitskräfte.

  • Das geht natürlich nur so lange gut, bis irgendwann die materiellen und menschlichen Ressourcen erschöpft sind. Geld alleine bewirkt nichts.

Die Forderungen, die dem System zugrunde liegen, gelten als ökonomische Gesetze. Es sind aber Konventionen, die sich Menschen selber geschaffen haben und auch verändern können, keine Naturgesetze. Sowohl für unser Zusammenleben, als auch für die Geld- und die Marktwirtschaft brauchen wir nur die Grundeigenschaften des Geldes: Zahl, Einheit und Beweglichkeit/Akzeptanz.

    Was nicht gebraucht wird, sind die zusätzlichen Postulate des Kapitals und deren unausweichliche Konsequenzen:
  • Ein positiver Zins, verbunden mit langfristiger Geldvermehrung,
  • Stabilität der Währungseinheit für die Akkumulation von Geld,
  • eine hohe Rendite für den Geldeinsatz und
  • die grenzenlose Ausbeutung von Ressourcen.

  • All das ist unnötig und hat in erster Linie Vorteile für die beteiligten Geldansammler, Groß-Geldbesitzer, Geld-Verleiher und Empfänger von Provisionen oder Bonus-Zahlungen.

Es gibt auch Äußerlichkeiten, auf die wir verzichten können und die teilweise schon abgeschafft worden sind: Gold- und Silbermünzen sind überflüssig. Auch Geldscheine lassen sich durch Kreditkarten und Geldkarten ersetzen. Geldtransporte werden entbehrlich durch rein informelle Überweisungen und elektronische Transaktionen.
 
Es ist an der Zeit, auch einige abstrakte Eigenschaften, die als unverzichtbar gelten, in Frage zu stellen, sie zu variieren und durch andere Bestimmungen zu ersetzen.
 
Der entscheidende Fehler im System ist das Postulat, dass Geld sich automatisch durch Zinsen und Rendite vermehren muss. Das geht nicht immer so weiter, weil es schon viel zu viel Geld auf der Welt gibt und die Menge dieses Geldes ungelöste Probleme aufwirft.
 
Ebenso falsch ist die aus der Forderung nach Zinsen und Rendite resultierende Forderung, dass die Wirtschaft ständig wachsen muss. Wirtschaftliches Wachstum ist nur vertretbar, wenn die damit verbundene Ausbeutung von Ressourcen und Menschen vertretbar ist.
 
Das Wachstum
wird angekurbelt vom Geldüberfluss
, verbunden mit der Forderung nach Rendite. Das ist an sich schon ein Widerspruch. Was im Überfluss vorhanden ist, kann nicht so wertvoll sein, dass sein Besitz von sich aus einen Gewinn abwirft. Der Vorgang, der das Wachstum bewirken soll, wird Investition genannt und der Begriff Investition wird von fast allen Beteiligten als Positivum gesehen. Dabei sind Investitionen eine Zwangsläufigkeit wie die Abwärme bei der Energie-Gewinnung oder Abfallbeseitigung in der Konsumgesellschaft.
 
Das Geld akkumuliert und wenn es nicht verbrannt wird, wird es investiert mit der Forderung nach Rendite, aber dieser Vorgang stößt an seine Grenzen in der Realität.
 
Die Entwicklung der Digitaltechnik hat zum Glück ein Wirtschafts-Wachstum ermöglicht, bei dem weniger Rohstoffe verbraucht werden als beim Automobilbau oder bei anderen konventionellen Techniken, weil die Produkte der Digitaltechnik weniger Material erfordern. Das Verhältnis von Hardware zu Software ist auf die Seite der Software verlagert und Software ist kein Material, sondern eine Leistung des Menschen, die der Natur wenig oder nichts abverlangt.
 
Mit einem etwas höheren Aufwand an Software und damit an Nachdenken, geistiger Konzentration und Kreativität lassen sich die Probleme des veralteten Geld- und Wirtschaftssystems lösen. Mit Sicherheit werden die Lösungen komplizierter sein als die jetzigen Postulate, die einer rationalen Überprüfung nicht standhalten: Positive Zinsen, unverzichtbare Rendite, permanente Vermehrung der Geldmenge für Geld-Investitionen beliebiger Art.

Alles und noch etwas darüber hinaus

Der Sinn des Geld-Systems ist reine Funktionalität. Geld ist wie das Rad ein zweckdienliches und universell einsetzbares Element für Transport oder Transaktionen, in einem System wie Pferdekutsche, Schweizer Uhren oder Formel-Eins-Rennen. Dabei hat Geld drei Grund-Eigenschaften, die absolut erforderlich sind, alle anderen sind im Laufe der Zeit als Postulate hinzu gekommen und können wieder abgeschafft werden.
 
Konventionen sind sinnvoll, so lange sie sinnvolle Ergebnissen bringen. Zusätzliche Postulate können auch zur Destruktion führen: unverantwortliche Ausbeutung der Bodenschätze, der Pflanzen- und Tierwelt und nicht zuletzt anderer Menschen und anderer Kulturen. Dabei stößt jede Ausbeutung irgendwann an ihre Grenzen. Wer diese Grenzen ignoriert, ist ganz einfach ein Ignorant oder eine Ignorantin, egal wie reich oder erfolgreich er oder sie auch ist.
 
Eine aktuelle Weiterentwicklung der Bedeutung des Geldes geht über Wirtschaft und Finanz-Industrie noch hinaus, Geld ist zu einem universellen Bewertungsmaßstab geworden. Man könnte dies eine weitere Funktion des Geldes neben der Funktion als Tauschobjekt und als Wert-Reserve nennen, wenn diese Entwicklung nicht besonders fragwürdig, ja irrational wäre. Es ist keine Funktion, sondern ein Glaubens-Satz.


 

Von der Geld-Wirtschaft zur Religion

Geld ist zum Wertmaßstab geworden, auch da, wo nichts gehandelt wird, vor Gericht, in der Politik, bei der Bewertung von Berufen, Risiken, Sicherheiten, selbst im persönlichen Bereich bei der Beurteilung von Personen, bei der Beurteilung von Geschäfts- und Lebenspartnern.
 
Weil Geld eine einfache Zahl ist, ist es eindimensional und liefert als Wertmaßstab eine Skala, eine eindimensionale Sicht. Die Welt und auch die Wirtschaft sind aber nicht eindimensional. Nach allgemeinem Verständnis ist die Wirklichkeit wenigstens dreidimensional. Was eine vierte Dimension bedeutet, verstehen nicht alle.
 
Eindimensionales Denken kann die Welt bei Weitem nicht erfassen. Schon der Schreibtisch der Bürokraten und der Bildschirm haben zwei Dimensionen. Geld aber hat nur eine einzige Dimension wie eine gerade Linie: Soviel im Plus oder soviel im Minus. Die Welt durch die Geldbrille zu sehen, führt zu einem stark verengten Weltbild.

Du könntest an dieser Stelle zur Auflockerung etwas Stimmungsvolles lesen: Impressionen aus dem Zentrum der Geldwirtschaft in London
Die Macht der grauen Männer

    Geld als Wertmaßstab für alles, ist eine Überschätzung des Geldbegriffs.
  • Hier beginnt die Geld-Religion.
  • Geld ist gleich Gnade, Glück und Verheißung.
  • Geld entzieht sich der rationalen Kontrolle.
  • Von Menschen geschaffene und veränderbare Konventionen werden zu heiligen Gesetzen.
  • Inzwischen gibt es wie bei Religionen auch das Versprechen der Unsterblichkeit. Eine Firma in Kalifornien bietet sich an, den Leichnam von Geldgebern einzufrieren, bis die medizinische Technik so weit ist, die Person wieder zum Leben zu erwecken.
    Konventionen der Geldwirtschaft sind zu Dogmen geworden:
  • Rendite muss sein.
  • Wachstum muss sein.
  • Provisionen müssen sein.
  • Steuern müssen nicht sein.

  • Der ursprüngliche Auftrag des Geldes, dass es überall fließt, wo es gebraucht wird, wird dabei sträflich vernachlässigt.
    Diesen Satz möchte ich noch einmal wiederholen:
    Der ursprüngliche Auftrag des Geldes, dass es überall fließt, wo es gebraucht wird, wird sträflich vernachlässigt.

Das Geld fließt nicht mehr, sondern es sammelt sich an unsichtbaren Stellen, tief unter der Oberfläche, in Steuer-Oasen. Aber das Bewusstsein der großen zehn- und zwölfstelligen Zahlen als Macht und Bedrohung ist überall vorhanden, die Macht der Billionen wird ins Übernatürliche gesteigert und angebetet. Der Wert des Geldes hat sich von seinem Nutzen gelöst.
 
Die Bewertung von Menschen geschieht nach dem Geldbesitz und nicht danach, was einer mit seinem Geld macht. Es gibt eine Hitparade der Milliardäre. Und fast jeder Milliardär ist ein schwarzes Loch, das Geld an sich zieht, es aus dem Verkehr zieht, den Staaten und deren Finanzämtern ent-zieht.
 
Steuern werden mit allen Tricks vermieden. Wenn es nach der Geldreligion geht, hat jeder die ewige Seligkeit erreicht, der einen neun- oder zehnstelligen Geldbetrag vorweisen kann. In saeculum saeculorum. Der Vatikan gehört auch dazu.
 
Schließlich, wenn das alles geschafft ist, kommt die Altersmilde. Ein paar Wohltätigkeiten sind angesagt, da, wo es am meisten ins Auge fällt, in Afrika, umringt von bettelnden Kindern.
 
Die Funktion des Geldes als Wert, der über Moral und Rationalität steht, sollten wir als erstes abschaffen. Das ist zum Glück ganz leicht und für jeden von uns durchführbar, weil es in den Köpfen passiert. Ohne Macht-Position und ohne ein besonderes Bank-Guthaben, es geschieht durch die eigene Einsicht. Einsicht = Intelligenz.

   Rob Kenius, März 2015
   Letzte Bearbeitung 04.11.2016

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